Interview mit Stefan Wieland, Regisseur

Von der Magie eines aufgehenden Vorhanges

Stefan Wieland

Stefan Wieland, Du bist Countertenor und Schauspieler, führst Regie, spielst bei der Musikgesellschaft Giswil, bist im Vorstand der Märli-Biini Stans und machst musikalische Leitungen. Wie bringst Du das alles unter einen Hut?

 

Das ist eine Frage, die ich mir auch immer wieder stelle. Es ist eigentlich nur ein gutes Zeitmanagement. Da ich als freischaffender Künstler oft am Abend arbeite, habe ich während des Tages viel Zeit für andere Dinge. Da kann ich mich immer sehr gut vorbereiten. Sei es die Arien einstudieren, die ich singen muss oder meine Regiearbeit vorbereiten.

 

Ich arbeite auch noch in der Bibliothek der Hochschule Luzern - Musik. Das ist eine willkommene Abwechslung. Und es heisst bei mir natürlich immer: First comes, first serves. Das kann manchmal auch etwas schwierig sein. Besonders, wenn eine tolle Anfrage reinkommt, ich aber schon besetzt bin. Zum Glück passiert dies noch nicht allzu oft. 

 

Was hältst Du von Improvisationstheater und warum?

 

Lustigerweise bin ich gar kein Fan davon. Zum Zuschauen finde ich es noch witzig, aber nur, wenn ich nicht live in der Aufführung sitze. Ich habe ja beim TheaterWärch Stans einen Krimi inszeniert, bei dem die Leute mitmachen konnten und viel improvisiert wurde (Anm. d. Red.: Die Produktion "Scherenschnitt" im Jahr 2017). Das hat mir extrem Spass gemacht. Jedoch habe ich mich dabei ertappt, dass ich froh war nicht im Publikum zu sitzen und mitmachen zu müssen.

 

Ich mag klare Linien und klare Strukturen in theatralischen Werken. Dabei kann ich mich nicht so für's Improvisieren begeistern. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich selber ein miserabler Improvisator bin. Aber ich bewundere Jede und Jeden, der das kann und man auch nicht merkt, dass gerade alles improvisiert ist.

 

 

Stefan Wieland, Counter-Tenor, Regisseur, Schauspieler

2018 führtest Du Regie und warst der musikalische Leiter beim Stück "Schlafzimmergäste" des TheaterWärch Stans. Was macht Dir beim Regie führen besonders Spass und was nervt Dich am meisten?

 

Ich finde es extrem toll, wenn ich Menschen führen kann und Ihnen meine Vision eines Stückes näherbringend kann. Es hat auch sehr viel mit Vertrauen zu tun. Da kommen ja Leute aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen zusammen. Manche kennt man vielleicht, andere gar nicht. Und die müssen mir dann vertrauen, dass ich weiss,  was ich auf der Bühne erreichen möchte.

 

Ich hingegen muss ihnen vertrauen, dass sie es auch so machen werden/können, wie ich es mir vorstelle. Es ist auch nicht so, dass alles auf meinem Mist gewachsen ist. Teilweise bringen sich die Spieler*innen auch selber ein und das nehme ich gerne an.

 

Nerven? Das ist gar nicht so einfach. Ich kann mich aufregen, wenn man mir sagt, dass etwas so nicht funktioniert, dieses Etwas aber noch gar nicht ausprobiert wurde. Wenn mann es nicht hundert Mal probiert hat, kann man auch nicht sagen, dass es nicht geht.

 

Wieso hätte ich mir das Stück "Schlafzimmergäste" von Alan Ayckbourn des Theaterwärchs Stans 2018 angucken sollen? (Anmerkung: Ich habe es zweimal gesehen und mich köstlich amüsiert!)

 

Das hatte mehrere Gründe:

  1. Die Bühne. Sie ist in diesem Jahr mitten im Saal und die Zuschauer sitzen 360 Grad rundherum. Das gibt ganz interessante Einblicke.
  2. Die Geschichte ist total aus dem Leben gegriffen. Natürlich wird aber alles sehr überspitzt dargestellt. Man kann sehr fest lachen und sich dann aber wieder denken, dass man selber gar nicht viel besser ist.
  3. Wegen des Ensembles. Ich habe wieder ein wunderbares Ensemble auf der Bühne die sich sehr gut verstehen und die auch Lust haben, dieses Stück auf die Bühne zu bringen. ich finde man merkt das einfach, wenn sich ein Ensemble gut versteht.
  4. Wegen den Kostümen. Ich kann Dir versprechen, dass die Kostüme ein besonderes Highlight werden. Meine Kostümbildnerin Raphaela Leuthold ist eine wunderbare Künstlerin. Sie hat meine Vision von Anfang an verstanden und sich mit Feuereifer an die Umsetzung gemacht.
  5. Einfach weil es sich lohnte. :-)

Welches berufliche Ziel möchtest Du noch erreichen?

 

Das ist eine schwierige Frage. ich bin momentan ziemlich zweigleisig unterwegs. Einerseits mache ich das, was ich studiert habe und singe viel. Andererseits mache ich etwas, das mir auch extrem Spass macht und das ist die Theaterarbeit. Ich weiss noch nicht, was noch alles kommen wird. Aber ich bin offen für vieles.

 

Was war bisher Dein grösster Erfolg?

 

Phuuuuuu... Da gibt es mehrere. Gerade das letzte Jahr war für mich ein sehr erfolgreiches. Ich durfte meine erste Regiearbeit verwirklichen. Nebenher machte ich meinen Abschluss mit dem Sinfonieorchester Luzern im KKL Luzern als Solist. Das war sicher ein besonderes Highlight. Aber auch die Rolle des Prinzen Orlofsky am Stadttheater Sursee war eine wunderbare Erfahrung.

 

Was war Deine grösste Herausforderung und warum?

 

Meine bis jetzt grösste Herausforderung in theatralischer Hinsicht war sicher die musikalische Leitung im ersten Innerschweizer Alptheater im 2015. Da musste ich die Operette "Im weissen Rössl" mit Laiensängern einstudieren. Das war bei weitem kein leichtes Unterfangen. Aber es war schlussendlich wunderbar und hat auch hervorragend geklappt.

 

Stefan Wieland singt

Als Sänger war dies sicher das Solistenkonzert im KKL. Man darf plötzlich in diesem grossen Saal singen und das nicht einfach so, sondern auch noch als Abschlussprüfung. Es war aber eine so tolle Erfahrung und einer der besten Abende meines Lebens bisher.

 

Dein grösster kultureller Wunsch?

 

Mehr Zusammenarbeit unter den einzelnen Vereinen. Man sollte aufhören mit dem Kantönligeist. Jeder Verein hat in gewissen Bereichen mehr als andere und umgekehrt. Ich finde man sollte einander helfen und nicht einfach fürs ich weitermachen, wenn andere Hilfe brauchen könnten.

 

Dies ist inzwischen schon etwas zur Realität geworden. Die Märli-Biini Stans und das TheaterWärch haben schon eine solche Zusammenarbeit begonnen.

 

 

Wie kamst Du zur Musik und wie zum Theater?

 

Zur Musik kam ich durch meine Eltern. Meine Mutter war jahrelang Vorjodlerlin und mein Vater im selben Jodlerklub als Bassist dabei. Mit 6 hörte ich zum ersten mal ein Musical und von da an gab's für mich nur noch die klassische Musik. Ich lernte Waldhorn und trat der Musikgesellschaft Giswil bei, die mein musikalisches Verständnis massgebend prägte.

 

Zum Theater kam ich durch die Theatergesellschaft Giswil. ich kann mich noch gut an meine ersten Aufführungen erinnern, die ich gesehen habe. Die Magie, die ein aufgehender Vorhang auf mich hat und auch die Welten, die da entstehen, waren für mich von Anfang an faszinierend. Ich wusste damals schon, dass ich das auch machen wollte.

 

Welche Frage würdest Du Dir bei einem Interview gerne selbst stellen und beantworten?

 

Frage: Welches Eis magst Du am liebsten?

Antwort: Pistazie mit viel Rahm :-)

 

Herzlichen Dank für dieses spannende und vielseitige Interview!

 

Für das Interview: Manuela Ming

 

 

Weitere Informationen und Links:

 

 

Alle Bilder wurden uns freundlicherweise von Stefan Wieland für dieses Interview zur Verfügung gestellt. Sie unterstehen dem gültigen Urheberrecht!

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Heidi berchtold (Montag, 23 April 2018 22:47)

    Ha grad jetzt vo dieär viel gläsä..... grossartig.... gratulieärä���� ha mich agmäldä am 26. igstä viel erfolg wyterhin

  • #2

    Manu von Allerlei Impro (Dienstag, 24 April 2018 06:49)

    Dankä vielmal, diä Wünsch leiti gärä am Stefan wiiter.