Interview mit Raphaela Leuthold, Kostümbildnerin

"...wir haben einmal Kostüme umgesetzt, die von der Designerin von Lady Gaga entworfen wurden."

Raphaela Leuthold ist eine begeisterte Theaterschneiderin. Sie bietet die Erarbeitung, Konzeption und Umsetzung von Theater- und Filmproduktionen aller Art an. Als Organisationstalent unterstützt Sie Raphaela auch in der Produktionsleitung, Inspizienz, als Set-Runner oder Location Managerin. Als technische oder künstlerische Assistentin kann Raphaela ebenfalls vielseitig eingesetzt werden.

 

Raphaela Leuthold, Kostümbildnerin

Raphaela, wie kam es dazu, dass Du zur (Theater-) Kostümbildnerin wurdest?

 

Den Weg ins Theater fand ich schon Kindesbeinen an und konnte durch verschiedene Tätigkeit im und ums Theater Erfahrungen sammeln. Als sich dann die Gelegenheit bot, habe ich die Chance gepackt und stürzte mich in das Abenteuer.

 

Angenommen ich möchte Dich als Kostümbildnerin für eine Theaterproduktion engagieren. Wie muss ich mir den Ablauf vorstellen? Vom Auftrag bis zu den fertigen Kostümen?

 

Als erstes gibt es sinnvollerweise eine Besprechung zum Stückinhalt, zur Inszenierung sowie der Anzahl der Rollen, Art der Charaktere, etc. Dazu natürlich in welcher stilistischen Art das Stück daherkommen und was es dem Publikum vermitteln soll.

 

Anschliessend erstelle ich als Inspiration Moodboards mit Stilrichtungen, Epochen sowie ein Farbkonzept. Es folgt eine enge Zusammenarbeit mit Regie und Bühnenbild um das Endergebnis zu präzisieren. In dieser Zeit mache ich mich auf die Suche nach Stoffen, zeichne die Schnitte und prüfe die Machbarkeit der Kostüme.

 

Anmerkung der Autorin: Auf einem Moodboard werden je nach Zweck Fotos, Zeichnungen, Materialien, Farben, kurze Texte etc. gesammelt. Entweder physisch auf einem möglichst grossen Kartonbogen oder immer öfter digital. Vor allem in Designerberufen ist das Moodboard ein wichtiges Arbeitsmittel. Es unterstützt die Entwicklung und die Vermittlung der Ideen.

 

Bea und ich spielen ab und zu klassisches Theater. Uns helfen die Kostüme sehr, um die Rollen noch authentischer spielen zu können. Wie entstehen solche Kostüme eigentlich? Von der Idee bis zur Umsetzung?

 

Gewisse Charaktere folgen gewissen Klischees. Die Kostüme helfen dabei, dies zu betonen und in Zusammenarbeit mit der Probenarbeit werden solche Ideen noch mehr hervorgehoben und präzisiert. Manchmal kommt es auch vor, dass eine Person auf der Bühne Bewegungen machen muss, die für die geplanten Kostüme gar nicht umsetzbar sind. So sucht man vor Ort Lösungen um eben diese Rollen durch die Kleider noch mehr zu unterstreichen

 

Die Umsetzung der Kostüme, die Anproben und die handwerkliche Arbeit passieren in Zusammenarbeit mit Näherinnen, dem Ensemble etc.. Die Arbeit intensiviert sich in den Wochen vor der Premiere wo dann alles fertiggestellt werden muss.

 

Raphaela Leuthold bei der Arbeit

Was war bisher Deine grösste berufliche Herausforderung? Wie hast Du sie gemeistert?

 

Sobald es um physische, körperliche Veränderung/Verwandlung einer Person geht, handelt es sich um eine grosse Herausforderung in Sachen Kostümen.

 

Zum Beispiel ein Bierbauch (Watson) anatomisch korrekt darzustellen, der sich dann auch gut in den Bewegungsablauf integriert, mit dem richtigen Material ist mehr als einfach "nur" ein Kostüm zu zeichnen und zu nähen.

 

Ich stelle mir vor, dass nebst dem Handwerk auch ganz viel Kreativität notwendig ist, um die Spielwelten mit Kostümen zu erschaffen. Was inspiriert Dich? Woraus schöpfst Du Deine Kreativität?

 

Mein Fachwissen im Bereich Kostüm- und Theatergeschichte, Materialkunde aus der Berufslehre in Sachen Kostüm gibt mir den nötigen Rucksack. Regeln, Konventionen und Klischees sind dazu da um benutzt und gebrochen zu werden.

 

Die Ideen kommen automatisch im Prozess. Unumgänglich ist die enge Zusammenarbeit von Regie und Bühnenbild um gemeinsam eine stimmige Welt kreieren zu können. Inspirierend ist natürlich auch, wenn man ab und zu selber im Publikum sitzt oder sich andere Film- und Theaterproduktionen ansieht.

 

Du hast als Theaterschneiderin am Schauspielhaus Zürich und am Konzert Theater Bern gearbeitet. Was hat Dich dabei besonders geprägt, gefreut, beeindruckt?

 

Als gelernte Schneiderin ist es unglaublich schön, im Theater auch unglaubliche Sachen umzusetzen, die so im Alltag gar nicht gefragt wären. Das Berufsfeld bietet mir immer wieder neue, spezielle Herausforderungen. Sei es das Erstellen eines lebensgrossen Teddybären, historische, königliche Monturen, Fellhandschuhe oder Tanzkostüme aus Plastik.

 

Ich freue mich immer sehr, wenn die Kostüme passen, die Person sich wohlfühlen und für die Rolle den bestmöglichen Dienst tut. Für ein Tanzprojekt haben wir einmal Kostüme umgesetzt, die von der Designerin von Lady Gaga entworfen wurden. Das ist dann schon sehr beeindruckend.

 

 

Raphaela Leuthold das Organisationstalent

 Was bringt Dir die Kostümbildnerin persönlich?

 

Das Theater ist eine eigene Welt und bringt mir viele spannende Kontakte und es gibt einen bereichernden Austausch mit den verschiedensten Personen auf und hinter der Bühne.

 

Welche Interview-Frage wolltest Du schon immer gestellt bekommen und beantworten?

 

Frage: Wenn Du längere Zeit im Ausland leben könntest, wo wäre das?

 

Antwort: Ich würde mein Atelier umgehen nach Island zügeln.

 

 

Was liebst Du besonders an Deiner Arbeit?

 

Nebst der Konzeption und Umsetzung von Theaterkostümen mache ich auch Bekleidungs- und Stylingkonzepte für Filme. Aber auch Projektbegleitungen im Rahmen von Inspizienz oder als technische und künstlerische Assistenz.

 

Dies gibt mit einen nicht alltäglichen Alltag und jedes Projekt bietet neue Chancen. Auch das manuelle, handwerkliche Arbeiten liebe ich sehr und dass man Ende des Tages ein Produkt in den Händen hält.

 

Von welchem (beruflichen) Projekt träumst Du? Was möchtest Du beruflich (noch) erreichen?

 

Ich habe noch nie ganz gross von etwas geträumt und ich glaube daran, dass wenn man "gwundrig" (neugierig) und offen für Neues ist, dann gehen auch die richtigen Türen auf. Wichtig ist mir, die Lust auf Neues zu bewahren und neue Herausforderungen anzunehmen.

 

An welchen Projekten arbeitest Du 2018?

 

Zuerst kommen jetzt die Abschlussarbeiten für das TheaterWärch Stans. Dann mach ich für Sooli Film Styling-Konzepte für Werbefilme und über den Sommer die Abendspielleitung der Oper Schloss Hallwyl. Anschliessend geht's an die Kostüme für das Märlitheater Obwalden. Und es warten bereits weitere Projekte auf die Umsetzung.

 

 

Herzlichen Dank für dieses spannende und vielseitige Interview!

 

Für das Interview: Manuela Ming

 

 

Weitere Informationen zu Raphaela Leuthold:

 

 

Alle Bilder wurden uns freundlicherweise von Raphaela Leuthold für dieses Interview zur Verfügung gestellt. Sie unterstehen dem gültigen Urheberrecht!

 

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