Interview mit Lana Kostic, Cellistin, Komponistin & Sängerin

"Kunst kann alles sein." 

Lana Kostic  (1988) ist diplomierte MA Cellistin, Komponistin und Sängerin. Sie spielt als Solistin, mit Orchester und in unterschiedlichen musikalischen Besetzungen. Zusammen mit Laura Livers ist sie seit 2017 als Duo Frida unterwegs. Die beiden arbeiten an ihrem ersten Studio-Album. Von ihrem Solo-Projekt "Lakiko" wird ebenfalls ein Album erscheinen. Lana lebt mit ihrem Mann in Luzern.

 

Porträt von Lana Kostic

Lana Kostic: Wie kamst Du zum Cello?

 

(lacht) Das ist eine ganz witzige Geschichte! Da war ich vier Jahre alt war und wir lebten damals gerade in Zagreb (Kroatien). Unser Nachbar war Konzertmeister der Philharmonie Zagreb und hörte mich immer mal wieder singen. Er meinte: "Krass, sie hat ein gutes Musikgehör." Dann hat er meine Hände gesehen. Und ich hab halt so riesige Hände. Schon als Kind waren sie schon so riesig. Und er meinte: "Du hast ein Gehör, Du musst Cello spielen!" Das ist so hängen geblieben. Seit ich vier bin, weiss ich, dass muss ich machen. Ich wollte auch immer im Radio das Cello hören. Das war ganz klar. Von Anfang an.

 

Singen tust Du ja auch immer noch, zum Beispiel im Duo Frida.

 

Ja genau. Klassischen Gesang hab ich dann im Studio gemacht und ich nehme immer noch Gesangsstunden. Es hört nie auf und entwickelt sich immer weiter. So wie das Cello-Spiel ja auch. 

 

 

Madleina von Reding im Sonnenlicht

 Was liebst Du am Cello?

 

Also ich merke immer wieder, wenn ich länger weg bin - so zum Beispiel über Weihnachten - dass ich das Cello vermisse. Ich mag einfach den Klang! Das ist etwas, dass jedes mal wieder neu und faszinierend ist. Das mag ich echt mega gern.

 

Was war bisher Deine grösste berufliche oder private Herausforderung und wie hast Du sie gemeistert?

 

Ich glaube nach dem Studium war so ein Moment, wo ich nicht wusste: Wie weiter? Und wohin? Da war ich ziemlich verloren. Das war so eine Phase, die gar nicht einfach war. Da waren auch finanzielle Fragen: So gut und wie lebt man jetzt davon? Wie genau? Was heisst das konkret? Und da hatte ich so eine Ungewissheit. Wie wird das alles funktionieren? Ist es das überhaupt?

 

Dann habe ich ein paar Katastrophen ausprobiert (lacht). Ich habe viel überlegt. Irgendwann sagte Laura (eine Studienkollegin): "Ja, du musst mal vorbei kommen." Und dann haben wir einfach dieses Projekt "Duo Frida" gestartet. Irgendwie gingen dann nochmal ganz andere Welten auf.

 

Lana Kostic mit Laura Livers - Duo Frida

Du interessierst Du ja sehr für die interdisziplinäre Verknüpfung der Künste? Was bedeutet das für Dich? Hast Du da eine Vision?

 

Also konkretes Beispiel: Mein Konzert in Paris am 18. Januar 2019. Eine Freundin einer Freundin von mir hat eine Geschichte geschrieben. Und diese Freundin von mir ist eine Comic-Künstlerin und sie hat zu der Geschichte  Bilder entworfen und hat sie mich als Lakiko-Figur in diesen Comic mit rein genommen. 

 

Das hatte dieses gemeinsame Konzert in der Cité des Arts in Paris zur Folge. Wo die Geschichte und diese Comics sind und ich gebe als diese Figur ein Konzert. Die kommt aus dem Comic raus. Solche Sachen interessieren mich einfach. Solche Verknüpfungen und wie andere Künstler Kunst sehen. Das finde ich immer total spannend

 

Für mich gibt es auch keinen so klaren Übergang: Das ist Sprache und das ist Musik. Ich finde auch jetzt zum Beispiel dieser Hintergrund kann es auch so eine Art Musik oder Atmosphäre sein (Anmerkung der Interviewerin: Das Gespräch fand in einem Restaurant statt. Man hörte Stimmen, Geklapper von Tassen, Tellern etc.). Das suche ich immer in meinen Kompositionen.

 

 

Lana Kostic mit Laura Livers - Duo Frida an einem Konzert

Heisst das, Du versuchst mit Deiner Musik eine Atmosphäre eine Stimmung rüber zu bringen

 

Ja. Manchmal will ich was sagen und manchmal will ich nur ein Gefühl aufschreiben oder irgendwie in eine künstlerische Form bringen. Es ist unterschiedlich, ich will auch nicht immer das Gleiche. Aber ja.

 

 

Hast Du einen Traum, wo Du hin möchtest?

 

Also manchmal in so Momenten, wo die Atmosphäre stimmt - z. B. in einem Konzert, denke ich schon: Das ist DAS! Ich lebe meinen Traum schon. 

 

So perfekte Momente?

 

Ja genau, mir ist es auch bewusst, dass es eigentlich nur Momente sind. Und ich wünschte mir halt so viel von diesen Momenten zu haben. Aber jetzt einen ganz konkreten Traum? (denkt nach) Weiss ich gar nicht. Vielleicht immer wieder traumhafte Momente mit Musik zu erleben.

 

Lana Kostic mit Laura Livers - Duo Frida spielen

Wie ist das Duo Frida geboren worden? Wann war die Geburtsstunde von Duo Frida?

 

Eine Schnapsstunde (lacht). Quasi eine Schnapsidee.

 

Damals lebte ich noch in Bern in einer richtig tollen generationen-übergreifenden WG. Eine ganz tolle Sache! Ein wunderschönes Haus in der Altstadt. Verschiedene Berufe, Menschen von 20 bis 75 Jahren. Da kam Laura zu Besuch. Alle waren da. Und irgendwann sagte John, der WG-Gründer etwas von Propaganda von Paradise, Musik und da kam die Idee, dass Laura und ich irgendwas zusammen machen müssen. Und da hat sich das entwickelt.

 

Erst haben wir angefangen wie ein klassisches Duo, denn Laura ist Pianistin und ich Cellistin. Dann haben wir angefangen mit klassischer Musik. Dann wollten wir halt zeitgenössische Musik machen. Und da war das eine Ding so teuer (Plugin für Effekte). Da dachten wir: Ach, das können wir selbst machen. So haben wir angefangen zu schreiben.

 

Und jetzt kommt Ende Januar 2019 die erste EP raus und voraussichtlich anfangs 2020 das erste Studio-Album. Das stelle ich mir sehr aufregend vor, mit all den Schritten von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung. Wie ist das?

 

Ja, mega! Ich freue mich voll. Ich bin total zufrieden mit der EP. Ich freue mich einfach sehr, dass sie rauskommt. Aktuell schreiben, komponieren und arbeiten wir beide ganz viel für das Studio-Album.

 

Mit dem Duo Frida hatten wir eine Balkan- und eine Deutschland-Tournee. Nächstes Jahr werden wir wieder auf Tournee gehen. 


"Immer wieder scheitern und wieder weiter machen."


Hast Du einen Tipp, für jemanden, der ein Musik-Instrument lernen möchte oder schon spielt?

 

Beharrlichkeit. Üben, üben, üben und immer wieder scheitern und wieder weiter machen.

 

Lana Kostic mit Hund

Du arbeitest ja auch mit einer Loop-Station und interessierst Dich für zeitgenössische Musik? Wie kam es dazu?

 

Ich liebe einfach Cello und habe super viel auch im Cello-Quartett oder Cello-Oktett gemacht und ich finde man hat alles vom Bass bis zum Pizzicato und man hat so viele Möglichkeiten für experimentelle Klänge. Und ich finde, Cello hat eine riesige Spannbreite. Und dann hatte ich die Idee mein Solo-Cello-Orchester zu haben (lacht). Da mache ich den Bass, dann die Linie darüber, dann improvisiere ich. Dann habe ich quasi meine Cello-Band bei mir, dich ich selbst mache. Das macht noch immer mega Spass!

 

Komponierst oder improvisierst Du da? Oder beides? Und was inspiriert Dich beim Komponieren?

 

Ne, ich komponiere. Ganz wenige Passagen improvisiere ich manchmal, aber eigentlich ist alles ganz klar durchkomponiert.

 

Beim Komponieren versuche ich nicht etwas Originelles zu machen oder was Neues zu erfinden. Ich versuche einfach, was in mir ist, aufzuschreiben. Und ich glaube das ist alles. Meistens ist es so, dass ganz spontan Sätze oder Musikideen kommen und ich notiere das immer auf dem Handy. Und dann setze ich mich hin und dann beginnt die Arbeit. Manchmal machen Menschen oft Kunst und merken das gar nicht. Zum Beispiel wie man etwas sagt. Da denke ich manchmal: Das war so schön, das war Kunst. Die Art wie man etwas sagt, oder ein Licht oder ...

 

Was bedeutet für Dich Kunst?

 

(denkt nach) Das ist eine sehr schwierige und wieder gute Frage (lacht). Ich glaube, das ist eine schwierige Frage insofern, da könnte man auch fragen: Was bedeutet das Leben für Dich? Es kann alles sein! Es kann was total Humorvolles, Lustvolles, Quatsch rausbringen. Es kann sein, so Gefühle von tiefster Berührung. Es kann manchmal auch so ein Moment sein, wenn man so vertieft ist, dass die Zeit so schnell geht oder so etwas, wo man krass drin ist.

 

Manchmal kann es auch nervig und frustrierend sein, wenn etwas nichts geht oder man probiert etwas und es funktioniert nicht. Da verwerfe ich meistens alles und beginne nochmal neu. Kurz scheitern und dann wieder woanders anfangen. Also ich habe alle möglichen Gefühle bezüglich Kunst, glaube ich. 

 

Lana Kostic beim Cello-Spiel

Wie ist die Geschichte zu Lakiko, Deinem Solo-Projekt? Da hast Du ja zusammen mit der Neurologie Biel ein "musikalisches EEG" erstellt. Wie ist das entstanden?

 

Ich wollte damit diesen freien Willen thematisieren. Das war meine Ausgangslage. Das hat sich dann in etwas komplett anderes verwandelt und es wurde zu etwas ganz Anderem.

 

Der erste Impuls war, dass es ja diese Theorien gibt, dass zuerst der Prozess entsteht und dann die Entscheidung. Das heisst, wenn ich jetzt an bestimmte Apparate angeschlossen bin, dann kann man sagen "Will ich jetzt eine Kurkuma Latte oder ein Eistee?" Dann wissen sie das, bevor ich mich bewusst entscheide. Das stellt den freien Willen in Frage. Das hat mich beschäftigt: Gehe ich jetzt die ganze Zeit diese Prozesse durch, die entstanden sind als ich ein Baby war? Also die unbewussten Prozesse oder habe ich einen freien Willen?

 

Dann hatte ich diese Idee, dass ich meine Gedanken - an das EEG* angeschlossen - spiele. Und dabei versuche die bestimmten Bewusstseinsstadien hervorzurufen. Und ich versuche bestimmte Partituren oder Klänge für die Bewusstseinszustände zu spielen, wenn ich die sehe oder wieder erkenne im EEG. 

 

Es hat aber nicht funktioniert, weil ich mich bewegt habe. Man muss halt echt ruhig sein. In diesem Sinne hat es nicht funktioniert. Desto mehr ich mich bewegt habe, desto mehr habe ich dann gespielt, bis zum Hyperventilieren. Also bin ich immer wieder in diesen Prozess gekommen, weil ich körperlich solche Anstrengungen hatte. Es war Richtung zeitgenössische Musik. Und ich musste das echt üben, die Muskeln aufbauen und diese Bewegungen. Aus der Bewegung folgte ja die Bewegung und wieder die Bewegung und wieder die Bewegung. Und das Herz schlug immer schneller. Bis dann irgendwann - und das war schon interessant - wenn man hyperventiliert, dann gibt es ganz langsame Gehirnwellen. 

 

Bei diesem Projekt habe ich dann verschiedene Musik aus meinem Leben oder aus meiner Biografie mitgebracht. Ich bin aufgewachsen mit Eltern, die Rock- bis Folklore-Musik gemacht haben. Ich bin mit so vielen Musikrichtungen aufgewachsen. Klassisch ganz stark geprägt, dann Barock, dann zeitgenössisch. Und ich wollte irgendwie versuchen diese ganze Musik in das Neurologie-Projekt zu bringen und es war so spannend, wie das bei den EEG-Bildern aussah.

 

* Anmerkung der Interviewerin: Ein EEG (Elektroenzephalogramm) zeichnet die elektrischen Aktivitäten des Gehirns auf.

 

Wahrscheinlich je nach Musikstil andere Wellen oder?

 

Genau und auch von den Herzfrequenzen unterschiedlich. Ich war auch noch an die Herzfrequenzen angeschlossen. Sie meinten, dein Herz wird viel ruhiger, wenn Du singst. Und zwar bei Sachen von ganz früher, z. B. Folklore-Sachen aus dem Balkan, das hebe ich auch gemacht. Teilweise hatte ich diese improvisierten Passagen aber dann auch Stücke. Ich hab so ein Mix gemacht. Dann ist dann die Idee entstanden, dass ich versuche meine musikalische Biografie zu schreiben und versuche diese ganze Einflüsse und diese ganzen Phasen, die ich durchlebt habe in ein Projekt zu bringen. Und das ist eben dieses Solo-Projekt Lakiko.

 

Da wird es auch ein Album geben.

 

Welche Interview-Frage wolltest Du schon immer gestellt bekommen und beantworten?

 

Es ist eine tolle Frage! Da hat man die Möglichkeit echt was zu sagen.

 

Frage:

Mich beschäftigt die Frage, was ist Kunst in Zukunft?

 

Antwort:

Es gibt da so eine witzige Bilder-Serie von Rockkonzerten. Z. B. 70er Jahre Rockkonzert und man sieht alle so schreiend, mit Händen oben, dann ein nächstes in einem späteren Jahrzehnt viele mit Fotoapparaten und man fotografiert die ganze Zeit und jetzt mit den Handys und man fotografiert sich selbst. Und ich hatte so eine Überlegung mit Kunst. Ob vielleicht auch Kunst sich ändern kann? Das vielleicht auch irgendwann das in die Richtung gehen könnte, dass man gar nicht mehr so Kunst macht für die anderen sondern für sich selbst. Natürlich auch durch die heutigen Techniken, die verfügbar sind, wie Bildbearbeitung, Grafik-Apps, Musikprogramme wie z. B. Garage Band, die leicht zu beherrschen sind. Die Möglichkeit besteht auf eine einfache Weise kreativ zu sein.

 

Bei einem Cello braucht es Jahre um einen schönen Klang hervor zu bringen. Da frage ich mich auch, wie wird die Zukunft von Musikinstrumenten aussehen?

 

 

Lana Kostic bei einem Konzert

Wo in Deinem Business oder in Deinem Leben improvisierst Du am liebsten?

 

Am liebsten? Ich glaube Improvisation ist ein sehr grosser Bestandteil in meinem Leben. Den Weg, denn ich gehe, gehe nur ich, wie auch jeder Mensch, oder? Vor allem wenn man freiberuflich ist, gibt es nicht Regeln oder so. Es gibt Experimente, die scheitern und Experimente, die funktionieren. Es ist alles improvisiert! Also ich versuche immer etwas Neues aus, neue Wege und es ist mega viel improvisiert.

 

 

Worüber kannst Du herzlich lachen?

 

Meistens sind es Menschen, die mich zum Lachen bringen. Ich mag Situationskomik aus dem Leben.  

 

 


Manuela Ming und Lana Kostic beim Interview

 Ich danke Dir, Lana, für das interessante Gespräch und wünsche Dir privat wie beruflich alles Gute und viel Erfolg mit den Alben und den Tourneen! 

 

Das Duo Frida und Lakiko kann für unterschiedliche Anlässe gebucht werden.

 

Für das Interview: Manuela Ming



Alle Bilder wurden uns freundlicherweise von Lana Kostic für dieses Interview zur Verfügung gestellt. Das Doppel-Selfie ist von Manuela Ming. Sie unterstehen dem gültigen Urheberrecht!


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Kommentare: 2
  • #1

    Super Sabine (Sabine Krink) (Dienstag, 29 Januar 2019 09:15)

    Wieder so ein zauberhaftes Interview. Ich kann die Seele darin spüren ... hach. *verzaubert*

  • #2

    Manu von Allerlei Impro (Dienstag, 29 Januar 2019 10:07)

    Das freut mich sehr! Vielen Dank Sabine